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[Bild aus dem Privatbesitz Heinrich Ohms] Mit der historischen Erzählung "De Mohls" beschreitet Heinrich Ohm wieder einmal Neuland. Zum einen handelt es sich vermutlich um den ersten niederdeutschen Roman im Internet. Zum zweiten bereichert dieser Roman die niederdeutsche Literatur um ein weiteres Genre, nachdem bereits sein historischer Kriminalroman "De Humannsche Röck" (erschienen im Quickborn-Verlag, Hamburg) der erste seiner Art war. Verlage tun sich schwer damit, ein 590 Seiten starkes Buch in niederdeutscher Sprache herauszubringen, weil sich für Niederdeutsches bei vielen Lesern das von Rudolf Kinau und Irmgard Harder in der NDR-Sendung "Hör mal beeten to" geprägte Kurzformat in der plattdeutschen Literatur, wie es scheint: besinnungslos, festgesetzt hat. Plattdeutsche Literatur ist seitdem entweder kurz und lustig oder enervierend besinnlich oder gnadenlos riemelig. Nach einer erstzunehmenden Prosa eines zeitgenössischen Autoren muss man dagegen suchen. Heinrich wurde 1923 in einem Dorf nahe bei Rendsburg geboren. Ihm war ein neun Jahre währender Besuch der einklassigen Dorfvolksschule vergönnt. Er arbeitete zunächst viele Jahre in der Landwirtschaft, mußte sich während der NS-Zeit wie so viele als Soldat verdingen. Nach der Gefangenschaft ging es zurück in die Landwirtschaft, die er Ende der 60er Jahre aufgab. Nach verschiedenen Jobs fing er als Rentner Ende der 80er Jahre mit dem systematischen Schreiben an. Sein erstes größeres Werk, die Chronik seines Dorfes, erschien 1990 und überraschte mich durch eine wissenschaftlich vergleichsweise hohe Qualität. Mit der recht langwierigen Arbeit an der Chronik wurde ihm das Schreiben zunehmend zu einer Lebensnotwendigkeit, wie er mir gegenüber mal äußerte. Seitdem sind eine ganze Reihe an Erzählungen entstanden, die literaturgeschichtlich überwiegend dem Realismus zuzurechnen sind, so wie er Ende des 19. Jahrhunderts wegweisend von Fritz Reuter geprägt wurde. Der recht hohe Anteil an wörtlicher Rede in "De Mohls" verweist darauf, dass das Niederdeutsche im Unterschied zum Hochdeutschen zweifellos eine Sprech- und keine Schreibsprache ist. Trotz dieser, aus hochdeutscher Sicht überwiegend als traditionell zu bezeichnenden Erzählweise experimentiert Heinrich Ohm mit verschiedenen Genres. In einer seiner fantastischen Geschichten läßt er beispielsweise die Welt noch einmal entstehen, nun allerdings mit dem Teufel als Chef im Ring, weil Gott seine Chance offensichtlich nicht zu nutzen gewußt hatte. Mir liegt daran, dass diese historisch und soziologisch instruktive
Erzählung "De Mohls", die in spannender Weise nahe am Alltag vom
Leben zwischen den Jahren 1762 und 1968 auf dem Mittelrücken
Schleswig-Holsteins erzählt, möglichst viel gelesen wird. Sie schließt
thematisch eine Lücke, die von städtisch ausgerichteten deutschen
Familiengeschichten, wie den Buddenbrooks oder Tadellöser
& Wolff, offengelassen wurde.
Über jedwede Rückmeldung, die ich umgehend an Heinrich Ohm weiterleitete, würde ich mich freuen. |
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