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Zur Startseite | Kontakt Heinrich OhmHeinrich Ohm war ein Schriftsteller der plattdeutschen Sprache. Und außerdem war er mein Großonkel. Heinrich wurde am 9. August 1922 in Sophienhamm/ Oha, einem Dorf nahe bei Rendsburg in Schleswig-Holstein geboren. Er starb am 8. Juni 2011, im nur wenige Kilometer entfernten Friedrichsholm. Heinrich war ein neun Jahre währender Besuch der einklassigen Dorfvolksschule vergönnt. Er war ein guter Schüler, mit Talent für Mathematik. Er arbeitete zunächst in der Landwirtschaft, bis er sich während der NS-Zeit wie so viele als Soldat verdingen musste. Nach der Gefangenschaft ging es zurück in die Landwirtschaft, die er Ende der 60er Jahre aufgab. Die Landwirtschaft war ihm, so sagte er hin und wieder, äußerlich geblieben. Nach verschiedenen Anstellungen, u.a. als Versicherungsvertreter und als Verkäufer von Landmaschinen, fing er dann als Rentner Ende der 1980er Jahre mit dem Schreiben an. Kurze Einführungen in die Publikationen Heinrich Ohms (Stand: 2011-0917)Heinrichs erstes Werk war die Chronik seines Dorfes. Zuvor hatte er sich mit der Geschichte seiner Familie beschäftigt. Im Verlauf hatte er festgestellt, wie unzuverlässig das Nachvollziehenkönnen der biologischen Linie einer Familie allein anhand der Kirchenbücher war. Nachnamen wurden geändert und Vaterschaften deklariert. Namen waren auch vielfach einfach unleserlich, wenn der Pastor beim Eintragen möglicherweise nicht mehr ganz nüchtern war. Doch entscheidend war, dass er von vielen ihm zugetragenen Geschichten wusste, wonach biologische und soziale Vaterschaft viel häufiger als gemeinhin angenommen nicht wirklich deckungsgleich waren. Familiäre Konflikte und der Umgang mit persönlichen Katastrophen waren das Hauptthema der Erzählungen Heinrichs.
Computerkauf war Ende der 80er Jahre noch etwas Besonderes. Heinrichs PC war ein 286er, der unter DOS lief, mit 640kB-Ram, 20MB-Festplatte, 2 Floppies. Die Textverarbeitung nannte sich Context. Context war weit entfernt von What-You-See-Is-What-You-Get, die Steuerzeichen für den Matrixdrucker waren im Text unterzubringen. Als Bedienoberfläche des Betriebssystems kam der Norton Commander zum Einsatz. Kosten für alles zusammen, gekauft bei Vobis: 1990 DM. Auf dieser Maschine tippte Heinrich sämtliche seiner Texte, meisten ohne die Geschichten mit Papier und Bleistift vor zu schreiben. In den drei vier Jahren vor seinem Tod gab es, zusammen mit seiner letzten deutlich jüngeren Freundin Annemarie, die den Einstieg in die Nutzung eines modernen PCs unter Windows bereits gefunden hatte, noch den Versuch, auf eine moderne Textverarbeitung wie Word umzuschwenken. Doch dieser Versuch des Umstiegs gelang nicht. So richtig durchdrungen hatte Heinrich seine Arbeitsumgebung auf dem PC ohnehin nicht. Gleichwohl war er in der Lage, selbständig Backups von seinen Textdateien anzufertigen. Parallel druckte er seine Geschichten immer auch auf seinem Matrixdrucker aus. Seine Ausdrucke verwaltete er allesamt in einer penibel geführten Liste. In den folgenden 20 Jahren entstanden dann eine ganze Reihe an Erzählungen. Die Erzählungen sind literaturgeschichtlich dem Realismus zuzurechnen, so wie er Ende des 19. Jahrhunderts wegweisend von Fritz Reuter geprägt wurde. Ihm waren Themen und Stil von Fritz Reuter sehr viel näher als die humorigen Kurzgeschichten, wie sie im Rahmen beispielsweise der plattdeutschen Sendung im Norddeutschen Rundfunk "Hör mal'n beten to" stilbildend für Publikationen der plattdeutschen Sprache waren. Gleichwohl schätzte er Irmgard Harder, eine der Autorinnen, Redakteurinnen und Sprecherin dieser Sendung, von der er viel gelernt hatte. Wie ernsthaft Heinrich Ohm an seine schriftstellerische Arbeit ging, zeigte sich früh daran, dass er sich, während er kleinere Schreibprojekte begonnen hatte, erst einmal seines Sprachmaterials versicherte. Er fertigte eine Sammlung der von ihm verwendeten plattdeutschen Worte an und vereinheitlichte deren Schreibweise für sich. Diese Wörtersammlung Heinrichs wurde nicht publiziert. Es finden sich Auszüge daraus im Anhang seiner Broschüre Schnacks ut Schleswig-Holsteen, die 1993 im Ohm-Verlag erschien. Er entwickelte sich inhaltlich und stilistisch zu einem Realisten, was ihn auch in der Nutzung des Sprachmaterials selber auszeichnete. Er bestand nicht darauf, in seinem eng-heimatlichen Plattdeutsch-Idiom zu schreiben. Dieses Idiom hatte sich exakt auf der Grenze zwischen dem Schleswigischen und dem Holsteinischen entwickelt, mit einer Tendenz eher zum Schleswigischen hin. Er wollte gelesen werden und suchte deshalb undogmatisch die Nähe zum sogenannten Radioplatt, das als moderates "Gesamtplattdeutsch" gilt.
Weitaus wichtiger als dieser kleine Erfolg war Heinrich die Publikation des wohl ersten plattdeutschen Kriminalromans De Humannsche Röck, dessen Titel eigentlich "De Huhmannschen Röck" hätte lauten sollen. Ein Fehler. Außerdem weist die Grafik einen irritierenden Logikfehler auf, den mit dem ersten Blick zu finden ich gern dem Betrachter überlasse. Man spürt sofort, dass die Grafik nicht stimmen kann. Die Humannschen Röck wurden im November 1996 in der Landesvertretung Schleswig-Holsteins in Bonn vorgestellt. Es las Edgar Bessen, ein bekannter Schauspieldes des Ohnsorg Theaters Hamburg. Die Moderation der Veranstaltung hatte Gerd Spiekermann inne, ein Redakteur des NDR. Wenn ich es richtig erinnere, dann geht diese Erzählung auf eine Geschichte zurück, die sich alte Leute aus der Gegend um Alt-Duvenstedt erzählten, wonach eine ältere Frau im Moor verschwunden war. Man fand sie nie wieder. Seitdem musste man bei Torfarbeiten im Moor darauf gefasst sein, ihren Leichnam zu finden. Immer wenn man beim Torfstechen unvermutet auf Widerstand stößt, heisst es wohl "Pass op, datt sünd de Humannschen Röck!". In Heinrichs Geschichte lebt eine Frau als Außenseiterin in Struvendörp. Sie wird Zeugin eines Mordes und kann von der nachfolgenden Erpressung des Mörders lange Zeit gut leben. Man hat ohnehin Angst im Dorf vor dieser intelligenten Frau und ihren oft harten Worten. Ich erinnere, wie Heinrich über Wochen mit dem Zuschnitt der Hauptfigur seiner Erzählung gehadert hatte. Er fand keine plausible Darstellung dafür, dass eine zierliche Frau in der Mitte des 19. Jahrunderts allein am Rande eines Dorfes lebt und von den Dorfbewohnern gefürchtet ist.
Dieses Buch hatten wir, wie zuvor die Schnacks, mit LaTeX gesetzt und auf dem Laserdrucker ausgedruckt, ergänzt um die Illustrationen von Olaf Bruhn. Wie der Kontakt zum Berliner Olaf Bruhn zustande gekommen war, kann ich nicht mehr nachvollziehen. Wir haben die Fahnen zum Drucken und Binden nach Leck zu Clausen & Bosse kutschiert und die gedruckten Bücher wenige Woche später mit einem Anhänger wieder zurück nach Oha verfrachtet. Heinrich hatte einen Großteil der Produktionskosten für das Buch übernehmen müssen. Für ihn war in diesem Fall entscheidend auszuprobieren, welche Vorteile es bringt, wenn ein Buch im Verlagsprogramm eines ansehnlichen Verlags untergebracht ist. Im Laufe der Jahre wurde Heinrich zunehmend unzufrieden, wie desinteressiert und kommunikationsunwillig sich der Verlag ihm gegenüber zeigte. Ob die Verkaufszahlen des Buches stimmten, weiss ich nicht.
Von dieser ersten Version De Mohls gibt es eine
2005 dann hatte sich Dr. Annemarie Jensen des Lektorats von "De Mohls" angenommen. Dies geschah im Zusammenspiel mit Jan Graf, u.a. einem Journalisten, der sich daran interessiert zeigte, diese nunmehr überarbeitete Erzählung als das erste Buch eines externen Autoren in seinem neu gegründeten Plaggenhauer Verlag herauszubringen. Heinrich schlug ein. De Mohls wurde ein Erfolg. Die publikumswirksamsten Rezensionen zu De Mohls erschienen in der Landeszeitung (Ausgabe vom 27.4.2006: 18) und den Kieler Nachrichten (Ausgabe vom 8.4.2006: 18), und fielen allesamt sehr gut aus. Man zeigte sich einig im Urteil, dass sich dieses Buch sehr spannend liest. Aus meiner Sicht ist vor allem bedeutsam, dass diese Erzählung als Thema eine Lücke schließt, die bis dahin von den städtisch ausgerichteten deutschen Familiengeschichten, wie den Buddenbrooks oder Tadellöser & Wolff, offengeblieben war.
Und Heinrich veröffentlichte im Jahr 2000 mit De Skatrunde einen zeitgenössischen Kriminalroman. Ein Mann wird mit einem Bolzenschussgerät, mit dem auch Schlachter die Tiere töten, umgebracht. Die Ermittlungen der Polizei bringen zutage, dass viele Menschen Motive hatten, diesen Mann zu hassen.
2006 folgte eine Broschüre mit einer Sammlung kurzer Erzählungen unter dem Titel Wat ik di al ümmer maal vertellen wull. Diese Sammlung, die wieder im Selbstverlag erschien, enthält unter anderem die drei oben aufgelisteten Geschichten der Audio-Dateien. 2006 war auch das Jahr der Veröffentlichung der wiederum historischen Kriminalgeschichte Dat Licht, die in der Zeit zwischen 1890 und 1928 spielt. Dies ist die Zeit ganz besonders großer gesellschaftlicher Umwälzungen und Krisen. Wieder wird am Beispiel von Weltkrieg und Inflation veranschaulicht, wie gesellschaftliche Umwälzungen und Katastrophen bis in die Familien eines kleinen, abgeschiedenen Dorfes hineinreichen.
Mit Dat sünd doch Juden erschien 2007 dann Heinrichs letzte Erzählung,
Leider wurden die Texte bei "Dat sünd doch Juden" und noch deutlicher: bei "Dat Licht" grottenschlecht gesetzt, insbesondere im Hinblick auf Berücksichtigung des besonderen Aspektes, dass es sich mit Plattdeutsch um eine Sprechsprache handelt. Aus meiner Sicht sollte der Satz eines plattdeutschen Textes nicht irgendwie die konventionellen Erwartungen von Lesern erfüllen oder irgendwie schön sein, sondern vordringlich die Funktion erfüllen, dass der Text so umstandslos wie möglich seine geschriebene Gestalt
In den verbliebenen vier Jahren bis zu seinem Tod hat Heinrich dann vor allem noch an seiner Biographie geschrieben sowie sporadisch seine bis dahin unveröffentlichten Geschichten und Erzählungen durchkorrigiert. Werksverzeichnis von Heinrich Ohm
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