VIA-EDEN - M10000- ein Erfahrungsbericht
Version 1.0 - 9. März 2003
Vorgeschichte/ AnforderungenVorbemerkung: Inzwischen habe ich den M10000 wieder verkauft, weil ich insgesamt mit der gesamten Kiste unzufrieden blieb. Stattdessen habe ich mir einen ASUS Pundit2600 zugelegt, mit dem ich rundum zufrieden bin: Leise, konnte auf Anhieb alles unter Linux, was er sollte, ist preislich vergleichbar und sieht vielleicht sogar noch n Tick besser aus. Es sollte ein neuer Server für's Haus her. Seine Aufgaben umfassen vorwiegend Mail- und Webversorgung sowie Texterfassung, -gestaltung und -archivierung sowie sporadisch anfallende kleine Programmierarbeiten. Darüberhinausgehend sollte der neue Server endlich auch mp3/oggv, divX/DVD und TV/VCR/Radio spielen können sowie als Drucker-, Digitalkamera- und Scanner-, als Fileserver für einen zweiten, besonders leistungsfähigen PC zur Videobearbeitung und mittelfristig als automatischer Kurzwellen-Wetterfax-Dekodierer dienen. Zu meinem Glück interessieren mich Spiele am PC nicht. Der Heimserver sollte wenig Strom ziehen sowie möglichst leise sein und wenig Raum einnehmen. Und nicht zuletzt sollte der neue Rechner natürlich wenig kosten. Nach kurzer Recherche kam nur ein bestimmtes Motherboard infrage, zumal ich wenige Wochen zuvor von einem Heise-Artikel getriggert wurde: Optimal schien ein integriertes Via-Epia-Board im mini-itx-Format mit festaufgelöteter 1-GHz-CPU(C3) sowie Firewire-, USB2.0-, LAN100MB-, 64MB-Grafik(S3G)-, Soundkarten- und SVHS-Out-Anschlüssen und serieller und paralleler Schnittstellen sein. Seit einigen Monaten gibt es eine witzig-lebendige mini-itx-Szene. Es fehlt nicht an Linuxunterstützung bei VIA, zudem lagen einige Tests- und Erfahrungsberichte zum Vorgänger M9000 vor (bitte googlen). In diesen Berichten hiess es überwiegend, dass die Rechenleistung zum Gucken von DVDs trotz hardwareseitiger mpeg2-Beschleunigung am Anschlag und die wenigen vorhandenen Gehäuse recht laut seien. In dem Moment in dem ich mich ein wenig im Modus eines Trotzdem zum Kauf des M9000 (anstelle des M6000) entschlossen hatte, wurde der M10000 bei Ebay in einem Bundle mit einem Gehäuse angeboten. Allen rationalen Vorüberlegungen und pfennigfuchsenden Berechnungen zum Trotz habe ich das Bundle erstanden comp-creation), obwohl das M9000 in den Minuten des Markterscheinens des M10000 von 179 Euro bei Ebay auf 159 Euro verbilligt wurde und bei Alternate das Mini-ITX-Gehäuse von vormals 89 für 69 Euro angeboten wurde. Statt für 230 Euro für den M9000 und einem Gehäuse von Alternate, gab ich somit 330 Euro mehr aus und erstand das Via-Eden-M10000-Motherboard und das dazu passende, besonders hübsche Gehäuse (Chyang Fun, Typ CF-7989-EMP/150W), dem zudem eine Riser-Karte beilag, mit der der PCI-Steckplatz des Motherboards durch diese, parallel zum Board liegende, Karte in dem kleinen Gehäuse auch genutzt werden kann. Hinzugekauft werden musste ein 512MB-DDR-Ramriegel sowie eine 80GB-Platte beim örtlichen Billiganbieter, ein DVD-Laufwerk war noch vorhanden. Die Gesamtkosten beliefen sich ohne DVD auf um die 540 Euro (2003/02). Richtig billig ist das Teil damit zwar nicht mehr, aber es ist mit diesen Werten für einen Homeserver auch nicht schlecht bestückt. Ein M9000 im Gehäuse von Alternate, ein 256er RAM-Riegel und eine 20er Platte wären, kalt gerechnet, für einen low-level-Multimediarechner, bei dem das divX- und mp3-Encodieren auf einem leistungsfähigeren Rechner geschieht, vermutlich hinreichend. Erfahrungen mit dem BoardMotherboard und Gehäuse kamen getrennt an. Das Zusammensetzen war mit Hilfe des Handbuches kein Problem. Bei der Verdrahtung von Motherboard und Gehäuse muss man darauf achten, dass die Stecker für Reset, Power-LED usw. parallel zum Rand des Motherboards auf die Stifte draufzusetzen sind.
Das Gehäuse wurde als leise angepriesen. Doch wenn das leise sein soll, dann möchte ich nicht wissen, was als laut zu bezeichnen ist. In dieser Konstellation taugt der Rechner nicht, um neben Fernseher und HiFi-Anlage aufgestellt werden zu können, dafür ist er zu laut
Allerdings: Laut Literaturlage zum M9000 könnte man es möglicherweise wagen, den M10000 durchgängig passiv gekühlt zu betreiben. Die Grafikkarte, deren Speicher vom RAM abgegriffen wird (im BIOS darf man sich Werte von 8 bis 64MB aussuchen - anschliessend nicht wundern, wenn ein entsprechend geringerer Wert beim RAM-Speicher angezeigt wird - ich dachte beim ersten Mal nicht daran und vermutete, dass das RAM nicht in Ordnung sei), die Southbridge ist ohnehin passiv gekühlt, der Prozessor wird von einem kleinen Lüfter angepustet. Von Aussen fühlt er sich handwarm an.
An Temperaturwerten kann ich unterdessen die verschiedensten anbieten: Bei geschlossenem Gehäuse, noch ohne DVD-Laufwerkt und Riserkarte, wurde in der "Health"-Sparte des BIOS 56° (Umgebungstemeperatur: 23°) angezeigt. Bei geöffnetem Gehäuse, nunmehr mit DVD-Laufwerk und Riserkarte, in der eine analoge TV-Karte von Terratec steckt, konnte ich nach einem mehrtägigen Serverbetrieb 44° ablesen. Ein anschliessend testweises Abschalten des lauten Gehäuselüfters bei wiederum geschlossenem Gehäuse zeigte einen Wert von 68° an. Ich war offenbar im Begriff, CPU und Board zu himmeln. Das Handbuch teilt leider keine interessanten technischen Daten, etwa die zur gerade noch zulässigen CPU-Temperatur, mit. Die Wärme des erstaunlich kleinen Netzteils wird ungeregelt über einen kleinen eingebauten Lüfter abgeführt. Eigentlich hatte ich mir vorgestellt, mit hdparm, noflushd und durch Dekativieren des syslog die Platte über Nacht abzustellen. Tatsächlich betreibe ich den Rechner nach diesem Schrecken lieber offen. Damit ist die gesamte Idee, nämlich einen nahezu lautlosen Multimedia-Rechner zu betreiben, hinfällig geworden. Im laufenden Betrieb (einige Jobs ruhen, bischen Bash- und Editornutzung) zieht der Rechner 20W/h, DVD-Angucken kostet 27W/h. Mein alter Server (P1/133/64MB) zog zum Vergleich im ruhenden Betrieb 27W/h und unter Last etwa 35W. Ich hatte mir eine größere Einsparung von der Umstellung erhofft. Ok, es sind 25% bei einem sich etwa 10 mal schneller drehenden Rechner (1992.29 BogoMips) gegenüber dem P1/133/64MB. So schön die 20W sind, so blöde sind die 6W, die der M10000 im eigentlich ausgeschalteten Modus für seinen Stand-By-Betrieb, dessen Sinn mir nicht aufgeht, zieht. Die APM-Funktionalität habe ich bislang nicht ausprobiert, allein weil es allgemein heisst, dass Linux hier noch nicht verlässlich arbeite.
Das Gehäuse darf nicht zu klein sein. Wenn es noch kleiner als dieses wird, kann man das ja leicht sperrige HD-Kabel nicht mehr verlegen. Wenn man nicht möchte, dass im unteren Schacht das 3.5-Laufwerke vorne durch Herausnahme der Blende herausguckt, dann muss man den Käfig, der von hinten aufgeschraubt wurde, herausschreiben. Der Einbau von DVD, HD und TV-Karte waren problemlos möglich. Ich denke, dass ein Gehäuse wie dieses die derzeit kleinste praktikable Grösse darstellt.
Die Platte habe ich so partitioniert, dass etwa 4GB mit W2K und der Rest mit Linux (SuSE8.1) belegt sind. Die W2K-Partition dient vornehmlich dazu, um die Hardware zu testen, weil bei Linux für neue Hardware oftmals keine oder nur unter besonderen Umständen zu besorgende Treiber zur Verfügung stehen. Wenn unter Linux alles läuft, werde ich die W2K-Partition löschen und ebenfalls mit ReiserFS formatieren. Diese Entscheidung, W2K zu installieren war insofern gut, weil sich auf der SuSE8.1 kein für diese Grafikkarte passender X11-Server befand. Somit verblieb zunächst nur die Nutzung eines generischen Servers mit einer indiskutablen 640x480-Auflösung. Das Internet-Zeugs (ich benutze von je her an für den Mail- und Newstransport uucp) war schnell eingerichtet. Mein USB-Scanner wird leider nicht unterstützt, das Aufspielen der Digitalkamerabilder über USB2.0 funktioniert leider noch nicht, immerhin ist die neue Bilderverwaltung mit pixie insgesamt vergleichbar komfortabel wie die, die ich von W2K kannte. divX- und DVD-Filme kann man sich unter Linux (xine) ansehen. Dies weiss ich nur deshalb, weil ich testweise den Rechner mit einer knoppix-CD hochgefahren habe und feststellen konnte, dass dort ein aktuellerer X-Server enthalten sein muss als das, was bei einer SuSE8.1 mitgeliefert wurde. Allerdings ist der M10000 wie der M9000 unter Linux dabei am Anschlag seiner Leistungsfähigkeit, denn es werden sofort jede Menge Bilder fallengelassen, wenn parallel eine andere Aktion auf dem Rechner erfolgt. Unter W2K werden DVDs (mit WinDVD) mit deutlich mehr Leistungsreserven gezeigt - kein Wunder, denn dort dürfte auch die hardwareseitig angebotene mpeg2-Dekomprimierung tatsächlich genutzt werden. Ob TV-Sehen mit der Analogkarte (BT848), die von einem Analog-SAT-Receiver gespeist wird, tatsächlich funktioniert, weiss ich noch nicht. Festplatte und DVD können noch nicht im DMA-Modus genutzt werden. Laut Linux-Forum auf den VIA-Seiten muss dafür erst ein ATA-Patch eingespielt werden. Sobald dieser Modus zur Verfügung steht, sollten DVD und divX vermutlich mit mehr Reserven dargeboten werden. Eine Anleitung von VIA zur Nutzung des X11-S3-Savage4-Servers liess sich deshalb nicht umsetzen, weil der angesprochene Treiber nicht aufzutreiben war. Immerhin: Sound und Ethernet funktionierten auf Anhieb, USB2.0 funktionierte zumindest unter W2K auf Anhieb. So weit mein erster kurzer Erfahrungsbericht zum M10000. Das Board arbeitet, nach nunmehr 2 Wochen Dauerlauf, stabil. Es macht auf mich insgesamt einen guten Eindruck. Im Vergleich zu einem Athlon1400 wirkt alles wie zu erwarten ist, behäbiger, aber die Reaktionszeiten sind durchaus akzeptabel. |